Aero Chronik

Flugzeuge sollen auf dem Bauch landen

Große Ersparnisse durch Verzicht auf Fahrwerk – Technologietransfergesellschaft hilft dem Projekt auf die Beine

TuTech Innovation unterstützt Wissenschaftler bei der Umsetzung vielversprechender Konzepte aus der Forschung an der TU Hamburg-Harburg. Unternehmen begleitet Plattform für elektronische Bürgerbeteiligung bis zur Marktreife

Das Flugzeug landet auf dem Bauch. Ganz sicher. Und es ist kein Unfall, sondern Alltag – in der Luftfahrt der Zukunft. Vielleicht. Die Vision ist in Hamburg entstanden. Zwei Ingenieure, Jan Binnebesel und Till Marquardt, haben das Konzept im Rahmen einer Diplomarbeit an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) erdacht. Inzwischen ist die Idee Thema des Entwicklungsprojekts „GroLaS (Ground-based Landing Gear System), für das die Ingenieure die Firma mb+Partner gegründet haben. Und die Idee ist mehr als ein Wolkenkuckucksheim. Die Forschungen der Ingenieure werden im Rahmen des Luftfahrt-Spitzenclusterprojekts „Airport 2030“ von der Luftfahrtbranche gefördert. „Airport 2030“-Partner sind unter anderem DLR, Flughafen Hamburg, Airbus und Siemens. Das berichtet Dr. Helmut Thamer, Geschäftsführer der Technologietransfergesellschaft TuTech Innovation GmbH, die bei dem Projekt Geburtshilfe leistete. Die 1992 gegründete Gesellschaft gehört zu 49 Prozent der Hansestadt und zu 51 Prozent der TUHH. Seit 2004 sitzt der Physiker Thamer auf dem Chefsessel.

TuTech Innovation fungiert im Süden von Hamburg als Durchlauferhitzer für vielversprechende Konzepte, die sich aus dem Forschungsalltag der Hochschule ergeben. Das Team unterstützt die Wissenschaftler bei ihrem Weg zur Realisierung von Ideen für die Wirtschaft. Das Unternehmen agiert als Berater, Organisator, Vermittler, Initiator und Koordinator und bietet organisatorische und kaufmännische Hilfe. Allein in den Jahren 2004 bis 2009 wurden hier gemeinsam mit der Schwesterorganisation Hamburg Innovation GmbH knapp 3100 Projekte unterstützt mit einem Auftragsvolumen von über 100 Millionen Euro. Ebenfalls bis 2009 notierte die Statistik rund 450 Erfindungsmeldungen, 350 Gebrauchsmuster- und Patentanmeldungen. Arbeitsschwerpunkte von TuTech sind die vom Bundesforschungsministerium geförderten Leuchtturmprojekte Biokatalyse 2021 und Bioraffinerie 2021 sowie der Forschungsverbund Klimzug-Nord, ein Leitprojekt der Metropolregion im Hinblick auf den regionalen Klimawandel.

Was die Flugzeuge der Zukunft angeht, so steht dahinter der Wunsch, Gewicht und damit Energie zu sparen. Das Fahrwerk, sagt Thamer, macht rund 15 Prozent des Gewichts aus. Wenn man die Räder sparte, ließen sich die Betriebskosten um bis zu zwölf Prozent verringern, der Kohlendioxid-Ausstoß würde sich bis zu 20, die Lärmbelastung um bis zu 35 Prozent mindern lassen. Bis Ende 2013 läuft nun die Projektstudie, die die Möglichkeiten des neuen Flugzeugkonzepts erforscht, das mit einer Schlittenkonstruktion starten und landen und ähnlich wie ein Transrapid beschleunigt würde. Das System wäre in einigen Fällen sogar noch sicherer als die bisherige Fahrwerkslösung, erklärt Thamer.

Zu klärende Zukunftsfragen sind allerdings nicht nur die Technik, sondern auch die Umsetzungsmöglichkeiten: Welche Flughäfen würden in welchem Zeitraum die neue Technologie übernehmen, und wie würde sich der Einsatz der Flugzeuge rechnen? Denn ein solcher Wechsel in der Technologie wäre verständlicherweise mit immensen Investitionen verbunden, nicht nur in die Produktion, sondern auch in die Infrastruktur.

viaFlugzeuge sollen auf dem Bauch landen – Nachrichten Print – DIE WELT – Hamburg – WELT ONLINE.

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Flugzeuge sollen auf dem Bauch landen

  1. Mich wundert überhaupt nicht, dass solch eine Idee aus Hamburg kommt. Neu ist diese Idee übringens überhaupt nicht. Wer sich etwas mit der Rüstungsindustrie im Deutschen Reich auskennt, findet dort schnell Parallelen. Nur gelandet auf einem wartenden Schlitten am Boden ist so noch keiner und darin dürfte das eigentliche Problem bestehen, um nicht auch noch von den bereits erwähnten Infrastrukturproblemen zu reden. Man merkt, hier sind Leute am Werk, die vom Alltag der Zivilluftfahrt in den verschiedenen Erdteilen nicht allzu viel verstehen. Und dass diese beiden Spinner sich sofort selbstständig gemacht haben, zeigt worum es hier wirklich geht, um Geld. Zunächst einmal um Fördermittel, denn schon davon lebt und „entwickelt“ es sich ganz gut.
    Damit der Geldfluß auch weiter läuft, weiß man jetzt schon ganz genau, dass Betriebskosten um 12% sinken, Schadstoffe um 20% und gar die Lärmbelastung um 35%. Vergessen hat man nur trendträchtig auszurechenen, wieviele Arbeitsplätze damit gesichert werden können.
    Da man in 20 Jahren auf Langstreckenflügen damit soweit sein will, kann man ja dann auch gleich noch den letzten verbliebenen Piloten (denn bis dahin soll es ja auch nur noch einen Piloten im Cockpit geben, wenn es nach anderen Spinnern geht) einsparen, da auf einem solchen Schlitten soundso kein Pilot mehr manuell landen kann, geschweige bei Seitenwind und Turbulenz. Das ist nämlich um einiges schwieriger als Luftbetankung und Carrierlandungen, um einmal nur an deren Einschränkungen und Probleme zu erinnern. Die Frachtflieger sollen zuerst geopfert werden. So ganz sicher ist man sich also schon heute der Sache nicht. Zum Glück werde ich in 20 Jahren weder als Pilot noch als Passagier damit noch etwas zu tun haben.

    http://www.welt.de/regionales/hamburg/article5049419/Bald-sollen-Flugzeuge-ohne-Raeder-landen.html

    Be safe up there, G.

    Verfasst von Gerd | 5. Juli 2011, 08:22
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