Aero Chronik

Alle fünf Minuten Jet über Kleinmachnow – Flugroutengegner warnen

KLEINMACHNOW – Falls die umstrittenen Flugrouten des Flughafens BBI beibehalten bleiben, droht Kleinmachnow zu „einer der am stärksten betroffenen Gemeinden zu werden“. Das befürchtet Eric Kearny, Professor an der Universität Hannover, Anti-Flugrouten-Aktivist und Einwohner von Berlin-Zehlendorf. Er war am Dienstagabend als Gastredner in den Kleinmachnower Rathaussaal geladen – 250 Interessierte kamen.

Laut Kearny, der intensiv die Planungen der Deutschen Flugsicherung (DFS) studiert hat, wäre Kleinmachnow bei West- wie Ostwind gleichermaßen von Fluglärm betroffen. Bei Ostwind würden landende Jets über Kleinmachnow in geringer Höhe Richtung Schönefeld schweben – etwa 1000 Meter hoch. Bei Westwind bekäme die Gemeinde den Lärm der startenden Flugzeuge ab. „Es ist ganz furchtbar“, sagte der Berliner. „Alle fünf Minuten wird eine Maschine über den Ort fliegen – das können die größten Passagierflugzeugen der Welt sein wie A 380 und Boeing 747.“ Das sei schlimm für die kinderreichste Gemeinde des Landes.

Kearny tauchte in die Entstehungsgeschichte des Flughafens ein und strich heraus, dass Experten Sperenberg immer für den besseren Standort gehalten hätten – schon weil dort Nachtflüge und Parallelstarts möglich gewesen wären. Jetzt aber dürfe „man den BBI in Schönefeld nicht so betreiben, als läge er in Sperenberg.“ Die Flughafengesellschafter – Land, Berlin und Bund – hätten sich mit der Entscheidung für den Standort am Berliner Stadtrand „einen Porsche in eine Spielstraße gestellt“, so Kearny.

Die gesundheitlichen Belastungen der Überflüge strich Detlef Kaleth heraus, ein Arzt ebenfalls aus dem Berliner Südwesten. Blutdruckkrankheiten und das Risiko von Herzinfarkten sowie Schlaganfällen nähmen deutlich zu, lebten Menschen in Einflugschneisen. Eine repräsentative Studie aus dem Umfeld des Kölner Flughafens belege, dass die Anlieger deutlich mehr Blutdrucksenker einnähmen als Menschen, die weiter entfernt vom Airport wohnen. Kaleth wies darauf hin, dass Flugzeuge im Landeanflug – bei gedrosselten Motoren – viel giftige unverbrauchte Kohlenwasserstoffe ausstießen. Da Kleinmachnow laut Flugroutenplan im Landekorridor läge, sei eine Gesundheitsbelastung zu befürchten. Allerdings verteile sich das toxische Abgas, so dass „schwer zu sagen ist, was unten ankommt“.

Canal lock in Kleinmachnow in Brandenburg, Germany

Image via Wikipedia

Die Kleinmachnower Kämpfer gegen die umstrittenen Flugrouten sind indes guter Dinge, dass sie sich vor Gericht durchsetzen können. Das bekräftigte der Sprecher der örtlichen Initiative gegen Fluglärm, Matthias Schubert. In Zusammenwirken mit einer Gruppe von Juristen habe man einen hervorragenden Anwalt engagiert.

Gleichzeitig verteidigte Schubert den Ansatz der Initiative und der Gemeinde sowie einiger Bürger, gegen den BBI-Planfeststellungsbeschluss zu klagen. Natürlich sei eine Anfechtungsklage eine große Gefahr für öffentliche Investitionen, so Schubert. „Wir haben aber keine andere juristische Möglichkeit, als den Flughafen selbst anzugreifen“, sagte der Initiativen-Sprecher, der vorsitzender Verwaltungsrichter in Berlin ist. „Die Gegenseite hat es in der Hand, unsere Argumente zu entkräften – sie kann mit den alten Flugrouten planen.“ Bürgermeister Michael Grubert (SPD) griff Verkehrs-Saatssekretär Rainer Bretschneider an für dessen Bemerkung, es werde eben etwas lauter in Kleinmachnow. „Als Ministerpräsident würde ich mir überlegen, wen ich vor die Presse schicke“, so Grubert.

viaAlle fünf Minuten Jet über Kleinmachnow – Flugroutengegner warnen – Märkische Allgemeine – Nachrichten für das Land Brandenburg.

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